Interview. Kuehn Kunz Rosen

Hans und Wendelin von der Mainzer Craftbrauerei Kuehn Kunz Rosen erklären, welche Biere sie in ihrem Leben richtig beeindruckt haben und was sie an der deutschen Bierlandschaft stört.
Hans und Wendelin Hans von Kuehn Kunz Rosen

Craft aus Mainz

Deutschland ist voll von Frauen und Männern, die die Bierkultur in unserem Land mit neuen Ideen und viel Engagement bereichern. In B&B wollen wir einige von ihnen vorstellen und versuchen, sie auch persönlich etwas besser kennenzulernen. Für diese Ausgabe haben wir mit Wendelin Quadt und Hans Wägner von Kuehn Kunz Rosen aus Mainz gesprochen.

B&B: Wann habt ihr zum ersten Mal ein Bier probiert?

Hans: An das genaue Datum kann ich mich nicht mehr erinnern. Es ist schon länger her. Es war aber deutlich vor meinem 16. Lebensjahr. Ein Freund und ich haben uns Bier besorgt. Leider stellte sich heraus, dass es nur ein Leichtbier war. So blieb es ohne besondere Wirkung.

Wendelin: Da war ich, glaube ich, 15 und durfte noch gar kein Bier trinken. Es war in einer Kneipe in meiner Heimatstadt Siegburg, da gingen alle in meinem Alter hin, und es war ein Mühlen Kölsch. Bis heute mein Lieblingskölsch.

B&B: Welches Bier hat dich in deinem Leben zum ersten Mal so richtig beeindruckt?

Hans: In frühen jugendlichen Jahren war das mein erstes Gutmann Weizen, weil da noch richtig Hefe in der Flasche ist. Noch beeindruckender fand ich danach den Gutmann Weizenbock.

Wendelin: Das Mühlen Kölsch.

B&B: Was stört dich am meisten an der deutschen Bierlandschaft?

Hans: Dass immer noch in zu vielen Kneipen nur Pils, Weizen und alkoholfreies Bier angeboten wird und es zugleich bei Wein, Spirituosen oder Cocktails eine große Auswahl gibt.

Wendelin: Ich kann gar nicht sagen, dass mich so wahnsinnig viel stört. Dass die großen Brauereikonzerne den Markt nach unten entwickelt haben in Bezug auf den Preis und die Austauschbarkeit des Geschmacks kann einen stören. Gleichzeitig eröffnet das aber ja auch Chancen für uns kleine Brauereien.

B&B: Was gibt es Neues bei Kuehn Kunz Rosen?

Wendelin: Wir sind sehr stolz und glücklich, vor Kurzem unsere eigene Brauerei in Betrieb genommen zu haben – in einer super Location direkt in Mainz. Dort können wir endlich vom Schroten bis zum Abfüllen alles unter einem Dach in eigener Regie gestalten und sind so viel flexibler. Wir freuen uns auch auf die tollen Möglichkeiten, kreative Biere auf unserer eigenen Anlage zu realisieren.

B&B: Die Anzahl von Craftbrauereien in Deutschland wächst beinahe täglich. Der Marktanteil von Craftbieren wächst hingegen nur langsam. Spürt ihr einen zunehmenden Konkurrenzdruck?

Wendelin: Da ist schon einiges los im Markt. Es gibt neue Start-Ups, und auch etablierte Brauereien drängen mit neuen Sorten in das Segment. Der Markt auf der Distributionsseite, in der Gastronomie und auch bei den Verbrauchern, hängt da teilweise hinten dran. Einige Große drücken auf die Preise. Ein Selbstläufer ist das Bestehen in diesem Umfeld aus unserer Sicht nicht. Dennoch gibt es ein sehr offenes Verhältnis unter den neuen Craftbrauern. Die Konkurrenz sind doch eher die großen Industriebrauereien, von denen wir Hektoliter gewinnen können, allerdings nur in homöopathischen Mengen verglichen mit deren Gesamtausstoß. Und es gilt natürlich, Menschen zurück zum Bier zu gewinnen, also insgesamt den Markt wieder nach oben zu bringen. Und da ziehen wir alle am gleichen Strang.

B&B: Wie wollt ihr es schaffen, angesichts der größer werdenden Konkurrenz zu bestehen?

Wendelin: Die eigene Brauerei ist ein ganz wichtiger Baustein dafür. Damit können wir die drei wesentlichen Erfolgsfaktoren direkt und eigenständig beeinflussen: Qualität der Biere, Flexibilität und Vielfalt und schließlich die Wirtschaftlichkeit. Dazu kommt eine Stärkung der regionalen Präsenz und Sichtbarkeit über die eigene Brauerei in Mainz und unseren Schankraum, in dem wir im Übrigen nicht nur unsere Biere ausschenken werden.

B&B: Wie ist die Qualität deutscher Craftbiere?

Wendelin: Es gibt Gutes, Mittelmaß und Schlechtes, sowohl von neuen Start-Ups als auch von den Etablierten. Das Gute ist, dass der Markt mit zunehmender Reife eine Auslese herbeiführen wird. Insgesamt wird das Niveau besser werden. Das ist gut.

B&B: Wie sieht heute ein typischer Arbeitstag von euch aus?

Wendelin: Der ist sehr abwechslungsreich, und nie gleicht ein Tag dem anderen. Im Schwerpunkt kümmere ich mich um die kaufmännischen Belange, den Vertrieb und auch um das Vorankommen beim Bau unserer neuen Brauerei und unseres Schankraums.

Hans: Ich kümmere mich schwerpunktmäßig um das Brauen unserer Biere. Früh nach einem Kaffee werden je nach Priorität alle möglichen Arbeiten von Gärkontrolle über den Sud bis zum Fässerwaschen oder Flaschenabfüllen erledigt.

B&B: Was macht euch an eurer Arbeit am meisten Spaß?

Hans: Die Abwechslung zwischen harter körperlicher Arbeit, dem Genuss von Bier und dem Austausch mit anderen Brauern sowie mit allen Leuten, denen Bier schmeckt.

Wendelin: Die Möglichkeit, Dinge selbst zu gestalten, neue Erfahrungen zu machen und dabei jeden Tag immer wieder Neuland zu betreten.

B&B: Was macht euch am wenigsten Spaß?

Hans: Alltagstrott und Stillstand.

Wendelin: Zu wenig Zeit zu haben, am Braukessel zu stehen und ein eigenes Bier zu brauen.

B&B: Hans, warum hast du dich entschieden, Brauer zu werden?

Hans: Mich hat technisches und biologisches Wissen und deren Anwendung schon immer interessiert. Beim Brauen wird beides zusammengebracht, und am Ende wird man mit einem herrlichen Produkt belohnt.

B&B: Wendelin, früher warst du IT-Manager bei Hewlett Packard. Warum hast du deinen Job hingeschmissen?

Wendelin: Ich hatte für mich dort alles erreicht, was mich gereizt hatte, und ich wollte einfach mal etwas komplett anderes machen, in eigener Verantwortung – nachdem ich über 25 Jahre als Angestellter gearbeitet hatte.

B&B: Hattest du Angst davor, dein geregeltes Leben inklusive deines geregelten Einkommens hinter dir zu lassen, um etwas ganz Neues zu probieren?

Wendelin: Angst wäre ein schlechter Ratgeber gewesen. Respekt vor der Aufgabe kommt dem eher nahe, gepaart mit einer Dosis Naivität und Enthusiasmus. Und man braucht Ausdauer und muss von seiner Idee zu einhundert Prozent überzeugt sein. Die Bereitschaft, mit viel weniger Geld auszukommen, war natürlich auch da. Dafür bekommt man die Freiheit und die Möglichkeiten des Gestaltens.

B&B: Welches ist euer Lieblingshopfen?

Hans: Galaxy gefällt mir sehr gut, allerdings muss der Hopfen zum Bierstil passen. Es gibt so viele tolle Kombinationsmöglichkeiten.

Wendelin: Galaxy ist schon ein geiler Stoff.

B&B: Was ist euer Lieblingsfilm?

Wendelin: Pulp Fiction.

Hans: Adams Äpfel.

B&B: Wie entspannt ihr?

Wendelin: Ich habe das Joggen wieder angefangen. Das tut mir gut. Vielleicht trainiere ich sogar wieder für einen Halbmarathon – früher bin ich einige Male über die volle Marathondistanz gelaufen.

Hans: Bei einem meiner Lieblingsbiere und „Adams Äpfel“.

B&B: Wie wird es mit dem deutschen Craftbiermarkt weitergehen?

Hans: Ich denke, es wird eine dauerhafte Veränderung in unserer Bierlandschaft geben, und heute noch als neu wahrgenommene Bierstile wie IPA werden zur Normalität. Diese Veränderung kann dann auch den Begriff Craftbier überflüssig machen, da wir dann einfach wieder eine lebendigere Bierkultur haben werden. Dies wird ermöglicht, indem viele neue Brauereigründungen stattfinden und zu dieser Belebung beitragen sowie bestehende Brauereien auch wieder die Chance sehen, neue Sorten zu kreieren.

Wendelin: Schwierige Frage. Der Markt wird reifer werden, sowohl auf der Anbieter- als auch auf der Verbraucherseite. Und es wird eine Phase der Konsolidierung geben. Gleichzeitig werden wir aber für eine gewisse Zeit weiter eine Vielzahl neuer Anbieter sehen.

B&B: Wie geht es weiter mit Kuehn Kunz Rosen?

Wendelin: Nächstes Etappenziel ist die Eröffnung unseres Schankraums und die Etablierung unserer Location in Mainz, aber auch darüber hinaus. Wir wollen die Leute begeistern, zu uns zu kommen. Und wir wollen neue Biere machen. Aktuell haben wir auf unserer eigenen Anlage das Mainzer Pils gebraut. Da wollen wir noch weiter zulegen.

Die Fragen stellte Falk Osterloh.

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