Brauerei Vormann mit hohem Pfand erfolgreich

Mehrweg: “Staat muss Besteuerung ändern”
Weil das Mehrwegpfand zu niedrig ist, bekommen insbesondere kleine Brauereien zunehmend Probleme. Denn vielfach erhalten sie ihre Kästen nicht zurück und müssen sie neu kaufen. Vor zweieinhalb Jahren hat die Brauerei Vormann in Hagen das Kastenpfand deutlich erhöht. Wie der Handel und die Verbraucher reagiert haben, erzählt Geschäftsführer Christian Vormann in B&B.
Brauerei Vormann

Das Problem ist seit langem bekannt: „Das Mehrwegpfand in Deutschland ist zu niedrig“, sagt Christian Vormann, Geschäftsführer der Brauerei Vormann im nordrhein-westfälischen Hagen. Dadurch seien Verluste vorprogrammiert. „Ich habe bislang etwa 35.000 Kästen gekauft“, sagt er. „Heute habe ich davon keine tausend mehr.“ Denn für den Großhandel ist es attraktiver, die Kästen zu schreddern und den Rohstoff zu verkaufen, als sie an die Brauereien zurückzubringen.

„Das ist ökologisch unsinnig“

„Das ist eine ganz einfache Rechnung“, erzählt Christian. „Der Großhandel hat zum Beispiel 20 Kästen von mir, für die er 3,10 Euro pro Stück erhält. Macht 62 Euro. Dafür lohnt es sich nicht, die Kästen quer durch NRW zu mir nach Hagen zu bringen. Die Glasflaschen und der Rahmen aus stabilem Kunststoff werden dadurch wie ein Einwegprodukt behandelt. Das ist nicht nur ökologisch unsinnig. Das ist auch katastrophal für die Brauereien.“

Aus Christians Sicht ist das Problem leicht zu lösen: „Man muss das Pfand erhöhen – und zwar in dem Maß, dass es für den Großhandel lukrativer ist, die Kästen zu den Brauereien zurückzubringen.“ Christian bezahlt für einen Kasten mit 20 Glasflaschen in der Anschaffung 10,50 Euro. Deshalb nimmt er für einige seiner Sorten seit zweieinhalb Jahren auch 10,50 Euro als Pfand. Mittlerweile ist er damit nicht mehr allein. So haben unter anderem auch die Brauereien Füchschen und Schumacher aus Düsseldorf ihr Pfand erhöht.

Die Kunden haben Verständnis

„Als erstes bin ich natürlich aus dem Handel herausgeflogen“, sagt Christian. Aber die Strategie lohnt sich für ihn trotzdem. „Vorher habe ich bei jedem Kasten, den ich nicht zurückbekommen habe, ein Verlustgeschäft gemacht“, erzählt er. „Jetzt verkaufe ich zwar weniger Kästen. Dafür mache ich aber mit jedem verkauften Kasten einen Gewinn.“ Die Kunden holen das Bier bei ihm an der Brauerei ab. Sie haben Verständnis für Christians Vorgehen und bezahlen das Pfand gerne. Sie bekommen es ja zurück. Mittlerweile haben auch wieder einige Einzelhändler aus der Region sein Bier aufgenommen. Für seine erfolgreichsten Marken hat er das Pfand übrigens nicht erhöht. Mit ihnen ist er nach wie vor in den großen Super- und Getränkemärkten gelistet.

Christian ist zuversichtlich, dass es in einigen Jahren eine Branchenlösung gibt. Und er hofft darauf, dass es sich dabei um keinen faulen Kompromiss handeln wird. „Das Pfand muss so hoch sein wie der Anschaffungspreis“, betont er.

Staat muss Mehrwegbesteuerung ändern

Das Grundproblem liege aber ganz woanders, betont Christian: „Das Grundproblem ist, dass der Staat Mehrwegpfandflaschen für den Handel anders besteuert als für den Endverbraucher. Denn der Handel muss Mehrwertsteuer auf Mehrwegflaschen zahlen und der Endverbraucher nicht. Dadurch sinkt für den Handel natürlich die Gewinnspanne. Für den Handel ist es deshalb finanziell gesehen umso besser, je niedriger das Pfand ist. Deshalb kann ich auch verstehen, dass meine Biere im Handel herausgeflogen sind.“ Dass der Staat den Handel bei Mehrwegflaschen anders besteuert als den Verbraucher, findet Christian „absolut unsinnig“. „Einerseits sagt der Staat: ‚Kauft Mehrwegflaschen!‘ Aber gleichzeitig tut er im Steuerrecht alles dafür, dass Mehrwegflaschen für den Handel nicht rentabel sind“, kritisiert Christian und fordert den Staat auf, dies zu ändern: „Ansonsten wird das Grundproblem bleiben.“

Falk Osterloh

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