Markus Harms: In den vielen Jahren „Bier & Brauhaus“ kommt der Begriff „Geschäftemacherei“ zu Unrecht, wie ich finde, immer wieder vor. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit Begriffen, die immer wieder falsch verstanden bzw. interpretiert werden.
Bier ist ein brauereiwirtschaftliches Erzeugnis. Es kommt nicht natürlich in der Natur vor, sondern entsteht durch gezielte Verarbeitung von Rohstoffen wie Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Damit ist Bier ein Produkt industrieller und handwerklicher Wertschöpfung – geprägt von landwirtschaftlichen Grundlagen, technologischem Know-how und energiewirtschaftlichen Faktoren.
Bier ist Genussmittel, Kulturgut und Wirtschaftsfaktor zugleich. Wer ein Brauhaus gründet oder eine Brauerei weiterentwickelt, braucht mehr als Leidenschaft: Es braucht einen klaren Plan. Zwei Begriffe tauchen dabei regelmäßig auf – Business-Plan und Business-Case. Beide sind unverzichtbar, doch sie erfüllen unterschiedliche Funktionen.
Business-Plan: Das Fundament
Ein Business-Plan ist das strategische Gesamtbild. Er beschreibt, wie ein Unternehmen aufgebaut ist, welche Ziele es verfolgt und wie diese erreicht werden sollen.
Typische Inhalte im Brauhaus-Kontext:
- Vision und Mission: „Wir wollen regionale Bierkultur stärken und neue Zielgruppen erschließen.“
- Marktanalyse: Welche Konkurrenz gibt es? Welche Trends prägen den Biermarkt (Craft, alkoholfrei, Bio)?
- Produktportfolio: Klassische Biere, saisonale Spezialitäten, Eventformate im Brauhaus.
- Finanzplanung: Investitionen in Sudhaus, Marketingbudget, erwartete Umsätze.
- Organisation: Rollen im Team, Kooperationen mit Gastronomie oder Handel.
Impuls-Beispiel: Ein junges Brauhaus plant, neben klassischen Bieren auch Bierseminare anzubieten. Der Business-Plan zeigt, wie diese Seminare als Zusatzgeschäft kalkuliert und vermarktet werden.
Business-Case: Die konkrete Entscheidungshilfe
Während der Business-Plan das große Ganze beschreibt, ist der Business-Case ein Rechenmodell für einzelne Projekte oder Investitionen.
Typische Fragen im Brauhaus:
- Lohnt sich die Anschaffung einer (neuen) Abfüllanlage?
- Rechnet sich ein Biergarten-Anbau?
- Welche Rendite bringt ein neues alkoholfreies Bier?
Impuls-Beispiel: Ein Brauhaus überlegt, ein eigenes Dosenbier einzuführen. Der Business-Case vergleicht Kosten (Design, Produktion, Vertrieb) mit erwarteten Mehrumsätzen und zeigt, ob sich die Investition lohnt.
Unterschied: Werbung vs. Marketing
Gerade im Biermarkt wird oft von „Werbung“ gesprochen – doch Werbung ist nur ein Teil des Marketings.
- Marketing ist die Gesamtstrategie: Marktanalyse, Zielgruppen, Positionierung, Produktgestaltung, Preisstrategie, Vertriebskanäle.
- Werbung ist ein Instrument innerhalb des Marketings: Anzeigen, Social-Media-Kampagnen, Plakate, Sponsoring.
Impuls-Beispiel:
- Marketing: Ein Brauhaus positioniert sich als „Familienfreundlicher Treffpunkt mit regionalem Bier“.
- Werbung: Plakatkampagne mit dem Slogan „Unser Bier. Unser Zuhause.“
Praxis: Vom Plan zur Umsetzung
Ein Brauhaus, das einen Business-Plan erstellt, sollte regelmäßig prüfen, ob einzelne Maßnahmen durch Business-Cases abgesichert sind.
Beispielhafte Struktur:
- Business-Plan: Ziel: Umsatzsteigerung um 20 % in drei Jahren.
- Business-Case: Maßnahme: Einführung eines Bier-Abos für Stammkunden. Kalkulation: Kosten für Logistik vs. erwartete Abo-Einnahmen.
Impuls-Beispiele für Brauhaus-Business-Cases
- Neue Zapfanlage: Investition 15.000 €, erwartete Umsatzsteigerung durch schnelleren Ausschank.
- Eventreihe „Bier & Musik“: Kosten für Bands und Werbung, Einnahmen durch Eintritt und Bierverkauf.
- Kooperation mit regionalen Foodtrucks: Zusätzliche Gäste, höhere Verweildauer, mehr Bierumsatz.
Fazit: Strategie trifft Praxis
Ein Business-Plan ist das strategische Dach, ein Business-Case die operative Entscheidungshilfe. Beide zusammen bilden das Rückgrat für nachhaltigen Erfolg im Brauhaus. Wer den Unterschied zwischen Werbung und Marketing versteht, kann seine Maßnahmen gezielt einsetzen – und Bierkultur nicht nur leben, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich gestalten.
Bier als Klebstoff und Schmiermittel der Gesellschaft
Bier verbindet Menschen in geselliger Runde, begleitet Feste und Rituale, ist tief verwurzelt in Kultur und Geschichte. Zugleich zeigt es sich hoch entwickelt in seiner Vielfalt und Qualität – vom handwerklichen Craft-Bier bis zur globalen Markenwelt. Bier ist weit verbreitet und bleibt ein Symbol für Gemeinschaft, Genuss und Identität.
Zum Schluss ein Beispiel aus dem ländlichen Raum:
Feuerwehrhaus wird Brauhaus
Gerade im ländlichen Raum entstehen spannende Business-Cases, wenn bestehende Immobilien einer neuen Nutzung zugeführt werden. Ein typisches Szenario: Ein altes, ungenutztes Feuerwehrhaus soll zur kleinen Hausbrauerei umgebaut werden.
Wichtige Aspekte dabei:
- Firmierung und Rechtsform: Soll die Brauerei als GmbH, UG oder Verein betrieben werden? Wer übernimmt die Inhaberschaft und haftet für Investitionen?
- Immobiliennutzung: Umbaupläne müssen mit Gemeinde und Bauamt abgestimmt werden – von Brandschutz bis Schanklizenz.
- Finanzierung: Investitionen in Sudhaus, Kühlung und Ausschank müssen kalkuliert werden. Hier greift der Business-Case: Welche Kosten entstehen, welche Einnahmen sind realistisch?
- Gemeinnütziger Zweck: Die Einnahmen sollen einem örtlichen Verein zugutekommen, der selbst keine direkten Einnahmequellen hat – etwa ein Heimatverein oder ein Breitensportverein. Damit wird die Brauerei nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich relevant.
Impuls-Beispiel:
Das Feuerwehrhaus wird zur Brauerei mit kleinem Ausschankraum. Die Gewinne aus Bierverkauf und Veranstaltungen fließen in die Vereinsarbeit – etwa für Jugendsport, Dorffeste oder kulturelle Projekte. Der Business-Plan beschreibt die langfristige Vision („Bier als Dorfmittelpunkt“), der Business-Case rechnet die konkrete Investition durch („Umbaukosten vs. erwartete Bierumsätze“).





